Zieh dein Kind an, mir ist kalt.

Warum meine Kinder selten Socken tragen

Zieh dein Kind an, mir ist kalt.

Kaum ein Thema wird auf meiner Facebook-Seite kontroverser diskutiert als die fehlenden Socken bei meinen Kindern.

Ich wurde beschimpft, mein Verhalten als fahrlässig bezeichnet und nicht nur einmal wurde mir prophezeit, die Kinder würden sich erkälten.

Auch offline sorgen die nackten Füße immer wieder für Empörung.
Manchmal sind es nur abwertende Blicke, oft der Klassiker – „Ist das nicht zu kalt?“ – und selten werde ich auch vis-à-vis zur Rede gestellt.

Und das ist übergriffig.
Es ist übergriffig mir gegenüber.

Ich bin die Mutter.
Wer, wenn nicht ich, würde ALLES für die Kinder tun?
Ihr Wohlergehen steht an erster Stelle. Immer.
Noch dazu bin ich ein reflektierter Mensch.
Bei allem, was die Kinder angeht, mache ich mir ganz viele Gedanken.

Es ist aber auch den Kindern gegenüber übergriffig.
Ja, sie sind klein. Aber sie sind Persönlichkeiten.
Sie können sehr deutlich machen, was ihnen gefällt oder missfällt.
Es braucht keine Fremden dafür.

Zieh dein Kind an, mir ist kalt.

Das ist das eigentliche Problem.
Es geht nie um meine Kinder.
Es geht immer um die anderen.

Kinderfüße ohne Socken auf Schaukel

Wie ich meine Fußgesundheit zurückgewonnen habe

Bis zur Corona-Pandemie trug ich herkömmliche Schuhe.
Ich machte mir nie Gedanken über Sohlen, Sprengung oder Zehenboxen.
Und ich hatte Schmerzen. Vor allem, wenn ich wandern war. Bei meinem liebsten Zeitvertreib!
Hallux valgus nennt man das wohl.
Ich mochte meine Füße irgendwann nicht einmal mehr anschauen.

Damals fasste ich einen Entschluss: Ich wollte etwas für meine Fußgesundheit tun.
Für einige hundert Euro buchte ich einen Onlinekurs und traf mich wöchentlich mit Leidensgenoss:innen.
Wir trainierten unsere Füße und ich lief fast ausschließlich barfuß. Wochenlang. Überall.
Bald schon zogen meine ersten Barfußschuhe ein. Und nach und nach alle herkömmlichen Schuhe aus.

Meine Schmerzen verschwanden komplett.
Meine großen Zehen stehen heute wieder gerade.
Und in mir ist seither das Wissen verankert, dass die Fußgesundheit ein hohes Gut ist.

Die Füße sind es, die uns durchs Leben tragen.

Vorher Nachher Vergleich Fußgesundheit

Warum meine Kinder selten Socken tragen

Kaum verwunderlich, dass meine Tochter ausschließlich Barfußschuhe trägt.
Natürlich erst, seit sie sicher laufen kann.

Aber den Grundstein für eine natürliche Entwicklung legte ich schon viel früher.
Denn meine Kinder müssen nie Socken tragen.
Höchstens gelegentlich temperaturausgleichende Trageschuhe aus Merino-Schurwolle.

Socken hemmen die Aktivität der Fußmuskulatur.
Socken schwächen die Körperwahrnehmung.
Socken dämpfen die taktilen Reize.

Hände (vor allem die Finger) haben zwar mehr als doppelt so viele Tastrezeptoren wie Füße, aber unsere Fußsohlen gehören dennoch zu den sensibelsten Körperstellen.
Und Babys nutzen die Füße aktiv, um ihre Umgebung zu erspüren.

Die Ergotherapeutin in mir weiß: Barfußsein ist zusätzlich ein essenzieller Bestandteil der sensorischen Integration.
Sensorische Integration bedeutet, dass das Gehirn Sinnesreize aus dem Körper und der Umwelt aufnimmt, verarbeitet und zu einer passenden Reaktion oder Bewegung zusammenführt.

Kind läuft mit Barfußschuhen draußen

Aber machen kalte Füße wirklich krank?

„Aber wenn er sich erkältet…“

… dann hat das immer etwas mit Viren zu tun.
Von nackten Füßen wird man nicht krank.
Von kalten Füßen auch nicht.

Was stimmt: Kälte kann die Abwehr schwächen. Etwas. Minimal.
Aber das tut sie nur dann, wenn dem Körper tatsächlich kalt ist.
Ist das der Fall, möchte sich der Körper warmhalten. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und die Durchblutung sinkt in Haut und Schleimhäuten.
Das hat zur Folge, dass auch weniger Immunzellen dorthin gelangen.

Kalte Füße machen also nicht krank.
Kalte Hände übrigens auch nicht. Aber über die redet ja niemand…

Kind krabbelt im Gras mit dreckiger Hose

Wichtig ist die warme Körpermitte

Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Haben kalte Füße (und Hände) denn so einen starken Einfluss auf die Temperatur des gesamten Körpers?
Nein. Und das ist das Entscheidende.
Es ist wichtig, dass der restliche Körper warmgehalten wird. Vor allem Kopf und Rumpf.
Aber auch Hand- und Fußgelenke mögen es warm, wenn es sonst kalt ist. (Eine gute Option sind hier Stulpen.)

An dieser Stelle darf aber auch ganz klar gesagt werden:
Nur, weil ein Körper vielleicht mal ein paar Minuten friert, ist das Immunsystem nicht sofort geschwächt.

Ich sage das so, weil ich meine Kinder und mich selbst in den seltensten Fällen in Jacken packe, wenn wir uns auf dem Weg zwischen Auto und Kita bewegen.
Denn dick gepolsterte Jacken haben unter Anschnallgurten nichts zu suchen. Und wir sind schneller in Auto oder Gebäude als es dauern würde, zwei Kinder und mich in Jacken zu packen.

Eines kalten Tages auf Fanø

Ich erinnere mich an einen grauen Tag im März auf Fanø, die Höchsttemperatur betrug nur 8 °C.

Zusammen mit der Motte auf meinem Rücken, Rosa und Kala machte ich einen Spaziergang.

Vor uns auf dem Weg befand sich plötzlich eine riesige Pfütze. Ein Drumherum gab es nicht. Das Umkehren war keine Option. Kurzerhand zog ich also die Schuhe aus und lief barfuß weiter.

Insgesamt war ich so noch 6,5 km unterwegs. Auf Sand, Schotter, Gras und Asphalt.

Spoiler: ich wurde nicht krank. Aber als ich abends im Bett lag, hatte ich brennend heiße Füße. So angenehm temperierte Füße hatte ich bisher selten in meinem Leben.

Es geht um keine Ideologie

An dieser Stelle möchte ich aber nochmal eins klarstellen:

Es geht IMMER ums Wohl der Kinder. Es geht NIE um eine Ideologie.
Wenn sich das Kind unwohl fühlt, gibt es Socken an. Punkt.
Wenn das Kind Socken tragen möchte, darf es Socken tragen.

Tatsächlich hatte die Motte mal eine Phase, in der sie Tag und Nacht Socken tragen wollte! (Und das natürlich auch durfte.)

Am Ende ist jeder Elternteil für seinen Nachwuchs verantwortlich.

Es gibt noch einen wichtigen Punkt, der in diesen unnötigen Diskussionen oft vergessen wird:

Abhärtung.

Ein Körper kann sich bis zu einem gewissen Grad an Kälte anpassen. Das ist die physiologische Kälteadaption.
Der Körper lernt, schneller Wärme zu produzieren.
Er lernt auch, die Durchblutung besser zu regulieren.
Und am Ende nimmt er die Kälte auch als weniger unangenehm wahr.

Kinderfuß im Herbstlaub mit Hund

„Aber wenn er sich erkältet…“

Tut er. Das tut jedes Kind. Vor allem, wenn sie ständig mit Viren aus Betreuungseinrichtungen konfrontiert sind.
Aber das gehört zum Leben dazu.

Viele Menschen glauben, dass Kinder ohne Socken schneller krank werden.

Ich kann für meine Kinder klar sagen:
Sie sind deutlich weniger krank als manch andere Kinder.

Ob das jetzt an den fehlenden Socken oder anderen Faktoren liegt, ist mir egal.

Wichtig ist mir nur, dass wir unseren Weg so gehen, wie wir es für richtig halten.