Vom unregelmäßigen Schal zur eigenen Webseite

über Neuanfänge, Autodidaktik & Rebellion

„Anfängerprojekte sind Schals [...] Wenn du dann etwas Routine und erste Erfolgserlebnisse hast [...] kannst du dich an einem größeren Projekt testen.“
eine Followerin

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich möchte gar nicht nachtragend sein und fasse den Kommentar nicht böse auf. Aber er hat die kleine Rebellin in mir herausgekitzelt, die dort schlummert.

Ja, ich habe erst Ende des Jahres mit dem Stricken begonnen.
Nein, mein Erstlingswerk (ein Schal, kraus rechts gestrickt) ist absolut nichts geworden.
Aber trotzdem habe ich direkt danach einen Cardigan begonnen.

Ich bin eine Perfektionistin. Eine Pedantin.
Und willensstark noch dazu. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das auch durch.
Vor allem, wenn jemand anderes nicht an meinen Erfolg glaubt.

Guten Morgen, Rebellin!

Mitte Januar habe ich also das Projekt „NATURKINDER RAGLAN CARDIGAN KEEP IT SIMPLE“ gestartet.
Ich erinnere mich, wie ich die Strickanleitung öffnete und… GAR. KEINE. AHNUNG. HATTE.
Da war die Rede von Maschen anschlagen. 89 an der Zahl. NEUNUNDACHTZIG!!! Beim Schal musste ich nur 12 Maschen in Reihen stricken habe und EWIGKEITEN gebraucht.
Wie lange sollte ich denn an diesem Cardigan sitzen? Bis Weihnachten? (2126?)

Dass ich bisher nur rechts stricken konnte, brauche ich vermutlich nicht zu erwähnen.

Kurzum: Ich war wirklich verloren, noch bevor ich überhaupt Stricknadeln und Wolle zu Hause hatte.

Meine Mentorin: ChatGPT

Mir kam die Idee, DAS Tool zu nutzen, was seit Monaten in aller Munde ist: ChatGPT.
Ich gestehe: manchmal nervt es mich, wenn ich höre „Ich habe ChatGPT gefragt…“, weil es oft um Themen geht, die man mit Google einfach verlässlicher recherchieren könnte.
Aber ich habe in Bezug aufs Stricken in ChatGPT meine Mentorin gefunden.

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Lady Fehlerfrei von Raglanien. (Fragt nicht.)

ChatGPT hat mich Stück für Stück durch das Strickprojekt geführt. Wir haben vom Halsbündchen über die Raglanzunahmen bis hin zu den Ärmeln alles zusammen gemeistert.
Ich habe geflucht, mein Kopf hat geraucht und ich habe geribbelt.
Nicht nur einmal, nicht nur zweimal, sondern oft.

Ich habe zig Fehler gemacht, Fotos hochgeladen, analysieren lassen und dazugelernt.

Wir haben jetzt Ende Februar und ich bin kurz davor, die Ärmel fertigzustellen.
Diese haben mir zuletzt die meisten Nerven geraubt.
Aber ich kann nun ribbeln, rückwärtsstricken, Fehler erkennen (manchmal sogar bevor sie entstehen), bin schnell geworden und habe ein gleichmäßiges Strickbild.

Und ich habe bisher noch keine Ahnung, wie das dann bald mit den Blenden weitergeht.

Dieser Cardigan wäre unbezahlbar, wenn man die ganzen Arbeitsstunden berechnen würde.
Viele Nächte habe ich neben meinen schlafenden Kindern im Halbdunkel gesessen und gestrickt.
Stück für Stück ist etwas entstanden, was ich mir – auf meine Weise – beigebracht habe.
Auch wenn das Ende noch lange nicht in Sicht ist, bin ich stolz auf mich und meine Leistung.

Autodidaktisch lernen

In mir kam ein Gedanke auf: ich bin ein Autodidakt.
Ich bin unfassbar gut darin, mir Wissen selber anzueignen.
Ich brauche keinen Lehrer, der mir auf seine Art versucht, etwas beizubringen. Das hat schon damals in der Schule nicht funktioniert.

Heute bin ich mir sicher: mit den gegenwärtigen Möglichkeiten hätte ich keine 3 vor dem Durchschnitt der Abitur-Zensuren gehabt. Ich hätte es locker zu einem guten 2er-Schnitt gebracht.

Aber so ist es im Leben. Dann kommt meine Zeit eben jetzt, knapp 20 Jahre später.

Von Maschen zur Webseite

Lange war auch das Gestalten meiner Webseite (inklusive meines einst so gepflegten Blogs) zu einer unüberwindbaren Hürde geworden.
Es reichte, dass ich das Dashboard öffnete. Schon fühlte ich mich erschlagen von anstehenden Aktualisierungen und Systemwarnungen.
Dabei wollte ich unbedingt meine Fotografie voranbringen und dafür endlich ein Aushängeschild haben.

Letzte Woche fasste ich dann einen Entschluss. Wenn mir ChatGPT schon beim Strickprojekt so eine große Hilfe war, warum dann nicht auch hierbei?
Schritt für Schritt begleitete mich die künstliche Intelligenz durch den Prozess und beantwortete mir jede noch so blöde Frage.

Etwas mulmig war mir aber schon zumute, als ich an das Support-Team meines Webhosters eine Mail abschickte, wo ich um Einrichtung von „v=spf1 a mx -all“ bat. (Spoiler: ich weiß selbst jetzt nicht, was das bedeutet, es hat aber funktioniert.)

Nun steht sie aber, meine neue Webseite. Mit allem, was ich mir gewünscht habe.
Und ich kann etwas fortsetzen, was mir lange Zeit große Freude bereitet hat: bloggen.

Anfängerprojekte sind Schals. Oder Cardigans. Oder komplexe Webseiten.

Es kommt nicht darauf an, womit man anfängt, sondern dass man anfängt, obwohl man noch keine Ahnung hat.

6 Kommentare

  1. Ach Zissi, du bist klasse! Ich freue mich auf weitere Blogeinträge. Lass dir nie die Freude an Neuem & Unbekannten nehmen, denn deine Neugierde & Interesse gepaart mit deinem unglaublichen Ehrgeiz ist einzigartig – so wie du! Liebe Grüße von einer „auch die Drei vor dem Komma Abiturientin“

    • Liebe Mareike, hab ganz lieben Dank für deinen Kommentar. Ich glaube so schnell kann niemand meinen Eifer bremsen. Und die Zahl vor dem Komma ist am Ende absolut nebensächlich!

  2. Toll deine Website (und auch dein Cardigan) 🙂
    Deine Fotos gefallen mir auch richtig gut.
    Liebe Grüße
    Ilona (Campi)

    • Danke, liebe Ilona. Nicht mehr lange und ich kann den Cardigan hoffentlich tragen. Dann wird für Motti gestrickt. Ich bin schon gespannt!

  3. Hey, Zissi, super deine Website jetzt, hast du doch super selber hinbekommen! Ich freue mich auf deine Blogeinträge und auf deine tollen Bilder.
    Liebe Grüße
    Carola P.

    • Liebe Carola, ich bin schon gespannt, worüber ich in nächster Zeit wieder blogge und freue mich darauf, euch da mitzunehmen. <3

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